Die kurze Antwort: Ein Innenarchitekt plant, was innerhalb der bestehenden Hülle passiert: Raumwirkung, Grundrissqualität, Material, Licht, Einbauten. Ein Architekt plant die Hülle selbst und alles, was Tragwerk, Gebäudehülle oder Baurecht berührt. Wir haben beide Disziplinen und die Bauleitung im eigenen Team. In der Praxis lautet die Frage deshalb selten „entweder oder“. Meist geht es darum, ab welchem Punkt die zweite Disziplin dazukommt und wer für die Übergänge zwischen beiden verantwortlich ist.
Die meisten Beiträge zu diesem Thema erklären Berufsbilder. Das hilft wenig, wenn Sie vor einer konkreten Altbauwohnung in Berlin oder einer Finca bei Pollença stehen und wissen wollen, wen Sie zuerst anrufen, den Innenarchitekten in Berlin oder den Architekten. Deshalb geht es hier um konkrete Vorhaben und darum, wer jeweils zuständig ist.
Was ein Innenarchitekt plant
In unseren Projekten beginnt Innenarchitektur mit der Frage, ob der Grundriss zu der Art passt, wie jemand leben will, und endet bei der Position jeder Steckdose. Dazwischen liegen Raumfolgen, Blickachsen, Lichtplanung, Materialkonzept, Sanitär- und Küchenlayout, millimetergenau geplante Einbaumöbel und die vollständige Ausführungsplanung, nach der die Gewerke arbeiten.
Der Unterschied zwischen einem Innenarchitekten und einem Einrichter zeigt sich am Rohbau: Wer Wände versetzt, Installationsschächte umlegt oder eine Decke abhängt, plant bereits konstruktiv innerhalb des Bestands. Das ist unsere tägliche Arbeit in der Innenarchitektur.
Wann ein Innenarchitekt allein reicht
Für einen großen Teil der Anfragen, die uns erreichen, reicht Innenarchitektur aus. Typische Fälle:
- Vollständige Wohnungsrenovierung ohne Eingriff in tragende Bauteile.
- Küche und Bad neu, inklusive verlegter Leitungen, neuer Böden, neuer Elektrik.
- Nichttragende Wände entfernen oder hinzufügen, um einen Grundriss zu öffnen.
- Komplettes Material-, Farb- und Lichtkonzept, Einbauschränke, Türen, Oberflächen.
- Ferienimmobilie oder Mietobjekt, das neu gestaltet und eingerichtet werden soll.
Die Faustregel, mit der wir intern arbeiten: Solange Fassade, Tragwerk, Dach und Gebäudekubatur unberührt bleiben, ist es ein Innenarchitekturprojekt. Sobald eines davon angefasst wird, ist es ein Architekturprojekt, auch wenn es sich für den Eigentümer wie „nur ein Umbau“ anfühlt.
Wann Sie einen Architekten brauchen
Ein Architekt ist notwendig, sobald das Gebäude selbst verändert wird. In der Regel gilt das für:
- Tragende Wände öffnen, Durchbrüche mit Unterzug, Deckendurchbrüche für eine innenliegende Treppe.
- Anbau, Aufstockung, Dachausbau, neue Gauben oder vergrößerte Fensteröffnungen.
- Nutzungsänderung, etwa Gewerbe zu Wohnen, oder Dachboden zu Wohnraum.
- Neubau, Abriss und Ersatzneubau.
- Alles, was eine Baugenehmigung oder eine bauaufsichtliche Anzeige erfordert.
- Eingriffe an denkmalgeschützter Substanz oder an einer Fassade in einem Erhaltungsgebiet.
Wie das in der Praxis abläuft, zeigen unsere Seiten Architekt in Berlin und Architekt auf Mallorca.
Der Architekt liefert hier neben dem Entwurf auch die genehmigungsfähige Planung, die Abstimmung mit Statik und Fachplanern und die Kommunikation mit der Behörde. Was genau eingereicht werden muss, unterscheidet sich je nach Bundesland und Vorhaben. Deshalb klären wir das immer am konkreten Objekt und nicht am Telefon. Mehr dazu auf unserer Seite zur Architektur und im Beitrag Altbausanierung Berlin: Genehmigungen und Ablauf.
Wann Sie beide brauchen und wo dann Fehler entstehen
Viele Projekte liegen dazwischen. Eine Altbauwohnung, in der ein Durchbruch zwischen Küche und Wohnraum entsteht, ist gleichzeitig ein statisches Thema und eine Frage der Raumproportion. Eine Finca, die eine neue Terrassenöffnung bekommt, ist eine Fassadenfrage und eine Frage, wie das Licht am Nachmittag in den Wohnraum fällt.
Kommen diese beiden Planungen von zwei Büros, fühlt sich für die Übergänge oft niemand zuständig. In unseren Projekten sehen wir immer wieder dieselben Muster, wenn Eigentümer Designer, Architekt und Bauunternehmen getrennt beauftragt haben:
- Der Durchbruch wird statisch korrekt, aber einige Zentimeter zu niedrig für den geplanten Küchenblock ausgeführt.
- Die Elektroplanung des Bauunternehmens ignoriert die Lichtplanung des Innenarchitekten, weil sie früher fertig war.
- Der Estrichaufbau lässt den gewünschten Bodenbelag nicht mehr zu, weil beim Höhenausgleich niemand nach dem Innenausbau gefragt hat.
- Bei Verzögerungen zeigt jede Partei auf die andere, und der Eigentümer moderiert.
Hinter diesen Fehlern steckt selten schlechte Arbeit. Es fehlt jemand, der für die Übergabe zwischen den Beteiligten verantwortlich ist. Deshalb koppeln wir Planung und Bauleitung: Wer die Details geplant hat, steht auch auf der Baustelle, wenn sie umgesetzt werden.
Berlin: Altbau, Bestand und Nachbarschaft
Berliner Altbauten sind in der Regel großzügig geschnitten, aber selten so, wie heute gewohnt wird: Küchen zu klein, Bäder nachträglich in Nebenräume gesetzt, Flure, die unverhältnismäßig viel Fläche verbrauchen. Ihren Wert haben diese Wohnungen meist in der Raumhöhe, den Stuckprofilen und den Fenstern. Der Grundriss ist selten ihre Stärke.
Was in Berlin schnell zum Architekturthema wird: tragende Wände in Gründerzeitbauten sind selten dort, wo man sie vermutet; die Balkenlage bestimmt, wo ein Bad überhaupt sinnvoll liegen kann; und bei Fassade, Fenstern oder Hofansicht spielen Denkmalschutz, Erhaltungssatzung und WEG-Beschlüsse mit hinein. In der Wohnung selbst haben Sie meist Spielraum, an der Hülle fast nie. Wir klären das früh, damit der Entwurf nicht auf einer Annahme beruht, die sich später als falsch herausstellt. Wenn Sie ohnehin gerade Studios vergleichen, hilft 7 Fragen vor der Beauftragung eines Innenarchitekten.
Mallorca: Finca und Stadthaus
Auf Mallorca verschiebt sich die Grenze. Eine Finca im ländlichen Raum ist fast immer ein Architekturprojekt, sobald die Kubatur berührt wird: Bruchsteinmauern, unregelmäßige Geometrien, nachträglich angebaute Teile ohne saubere Dokumentation und Bauvorschriften, die sich zwischen Gemeinden und je nach Schutzstatus der Lage unterscheiden. Bei Genehmigungen sind in der Regel Gemeinde und, je nach Vorhaben, weitere Stellen beteiligt. Lassen Sie das am besten schon vor dem Kauf prüfen.
Ein Stadthaus in Palma ist der andere Fall: schmal, tief, oft dunkel in der Mitte, mit Innenhof oder Lichtschacht als einziger Lichtquelle für die mittleren Räume. Hier macht die Innenarchitektur den größten Unterschied: wo die Treppe liegt, welche Öffnungen es zwischen den Ebenen gibt und welche Materialien mit der Feuchtigkeit im Erdgeschoss zurechtkommen. Wird die Treppe verlegt oder eine Decke geöffnet, braucht es wieder den Architekten. Details zum Ablauf vor Ort stehen in unserem Leitfaden zur Sanierung und auf der Seite Mallorca.
Entscheidungstabelle: Wen brauchen Sie?
| Vorhaben | Wen Sie brauchen |
|---|---|
| Wohnung neu gestalten, Grundriss bleibt | Innenarchitekt |
| Küche oder Bad komplett erneuern | Innenarchitekt (mit Fachplanung Haustechnik) |
| Nichttragende Wand entfernen | Innenarchitekt |
| Durchbruch in tragender Wand | Architekt + Statiker, Innenarchitektur für das Ergebnis |
| Dachausbau, Anbau, Aufstockung | Architekt, danach Innenarchitekt |
| Fassade, Fenster, Denkmalschutz | Architekt |
| Nutzungsänderung (z. B. Gewerbe zu Wohnen) | Architekt |
| Finca-Sanierung mit Eingriff in die Kubatur | Architekt + Innenarchitekt + Bauleitung |
| Stadthaus Palma, Innenausbau ohne Kubaturänderung | Innenarchitekt |
| Neubau | Architekt, Innenarchitekt ab Entwurfsphase |
FAQ
Was ist der Unterschied zwischen Architekt und Innenarchitekt?
Ein Architekt verantwortet das Gebäude: Tragwerk, Hülle, Kubatur und die genehmigungsrelevante Planung. Ein Innenarchitekt verantwortet den Raum innerhalb dieser Hülle: Grundrissqualität, Licht, Material, Einbauten und die Ausführungsplanung im Detail. Bei CARLO Design arbeiten beide Disziplinen im selben Team, weil bei einem Umbau die meisten Fehler an den Übergängen zwischen ihnen entstehen.
Wann brauche ich einen Architekten für einen Umbau?
Sobald Sie Tragwerk, Fassade, Dach oder die Gebäudekubatur verändern, oder wenn das Vorhaben eine Baugenehmigung beziehungsweise eine behördliche Anzeige erfordert. Bleibt alles innerhalb der bestehenden Hülle, kommen Sie in der Regel ohne aus. In unseren Erstgesprächen klären wir diese Grenze am konkreten Objekt, bevor ein Entwurf beginnt, weil ein Irrtum an dieser Stelle später am meisten kostet.
Kann ein Innenarchitekt einen Umbau planen?
Ja, Innenarchitekten planen Umbauten im Bestand vollständig, einschließlich Grundrissänderungen an nichttragenden Bauteilen, Haustechnik-Layout, Ausführungsplanung und Gewerkekoordination. Die Grenze verläuft dort, wo Statik oder Baurecht berührt werden; dann kommt der Architekt hinzu. In unseren Projekten übernimmt der Innenarchitekt auch dann die Detailplanung, denn sie bestimmt, wie der Raum am Ende aussieht und funktioniert.
Arbeiten Architekt und Innenarchitekt zusammen?
Ja, und zwar am besten von Anfang an und nicht erst, wenn der Rohbau steht. Werden beide getrennt beauftragt, fühlt sich auf der Baustelle für die Übergänge zwischen den Planungen niemand verantwortlich, und dort entstehen die Fehler, die im fertigen Raum sichtbar bleiben. Wir führen deshalb Architektur, Innenarchitektur und Bauleitung in einer Hand, mit einem Ansprechpartner für Sie.
Ihr nächster Schritt
Wenn Sie nicht sicher sind, in welche Kategorie Ihr Vorhaben fällt, klären wir das im Erstgespräch. Wir sehen uns die Immobilie an, sagen Ihnen, ob Sie einen Architekten brauchen, und geben Ihnen eine unverbindliche Kostenschätzung, die wir mit unseren Handwerkern abgleichen. Sprechen Sie uns an, in Berlin oder auf Mallorca.
Was Ihr eigenes Vorhaben ungefähr kostet, rechnen Sie in zwei Minuten aus. Budget ermitteln →
